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"Stillstand" und "Stillschweigen"
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Liebe Mitglieder, Spender, Tierfreunde!
In einer unserer Vereinszeitschriften
habe ich die Meinung vertreten, dass
sich der Tierschutz talabwärts bewegt.
Das Echo vieler Tierfreunde hat mir
leider Recht gegeben.
Vieles hätten wir nach großen
Bemühungen und oft jahrelangen
Kämpfen erreicht, jedoch wurde einiges
davon mittlerweile wieder verwässert, auf
einen späteren Zeitpunkt verlegt oder es
ist still und leise verschwunden, in
Vergessenheit geraten. STILLSTAND -
STILLSCHWEIGEN.
Mag sein, dass mir manches übertrieben
geschildert wurde ? fast möchte ich das
glauben, so unglaublich klingt vieles.
Mag sein, dass es auf Missverständnissen
beruht. Aber eines weiß ich ganz genau,
dass die Qualen und das unbeschreibliche
Elend der Tiere keine Übertreibung
und bestimmt keine Missverständnisse
sind!
Wir hätten zwar ein gültiges
Tiertransportgesetz, das beste in
Europa, es wurde vom damaligen
Verkehrsminister und späteren
Bundeskanzler Mag. Viktor Klima erarbeitet,
ich durfte von der ersten Stunde
daran mitarbeiten ? nur leider wird nicht
danach gehandelt.
Dieses Gesetz hätte den Tieren auf den
katastrophalen Transporten wesentliche
Erleichterungen gebracht und das tägliche
Inferno auf den Straßen wäre weitgehend
ausgeblieben.
Dies wäre nicht nur ein Segen für die
Tiere, sondern auch für das Klima, die
Natur und die Gesundheit der
Menschen und wir wären damit wieder
ein Stück näher der Menschlichkeit.
Nach jahrelangem Bemühen um ein
bundeseinheitliches Tierschutzgesetz
und einem erfolgreichen Volksbegehren,
wurde nach weiterem Ringen endlich
dieses Gesetz beschlossen, wohl nicht der
Weisheit letzter Schluss, jedoch ausbaufähig.
Doch diese Hoffnung erscheint auch
wieder hoffnungslos.
Wohl gilt dieses Gesetz für alle
Bundesländer gleich, wird jedoch in
jedem Bundesland unterschiedlich
gehandhabt und somit hat dieses Gesetz
wiederum 9 Grenzen.
Besonders bemerkbar machen sich diese
unterschiedlichen Regelungen jeweils in
den Tierheimen, die auf Grund von
Leistungsverträgen mit der öffentlichen
Hand zwar privat bleiben, jedoch von
den Vertragspartnern Auflagen erhalten,
die manche dieser Tierheime zu einfachen
Tierübernahmestellen und
Befehlsempfängern degradieren; dies
wirkt sich oftmals hemmend auf den
Tierschutz aus. Ethik und Ideologie treten
in den Hintergrund und Ignoranz
und Gleichgültigkeit in den
Vordergrund.
Es macht mich traurig, dass der
Tierschutz generell zu versanden droht
und ich habe daher nach reiflicher Überlegung
den Entschluss gefasst, meine
Ehrenpräsidentschaft im Wiener
Tierschutzverein zurückzulegen, bleibe
jedoch Vereinsmitglied.
Tiere sind aus unserem Leben nicht
wegzudenken; sie werden geliebt und
sie werden missbraucht.
In unzähligen Haushalten leben Tiere
zur Freude ihrer Besitzer und als wertvolle
Spielkameraden der Kinder, nicht zu
vergessen, die Wichtigkeit der
Gebrauchshunde im Dienste der
Menschen, sowie die verschiedensten
Tierarten zur Therapie behinderter
Menschen.
Die Tiere sind aber auch ein wichtiger
Wirtschaftsfaktor: Es gibt kaum einen
Industriezweig, der nicht auf irgendeine
Art an der Vermarktung von Tieren
basiert. Es ist daher unverständlich, dass
in der gesamten politischen Szene das
Wort "TIER" ein Fremdwort ist.
Kein Politiker erwähnt auch nur mit
einem Wort das Leid, welches den Tieren
durch deren hemmungslose Vermarktung
zugefügt wird ? es würde in
der Hand der Politiker liegen, die Leiden
der Tiere mit geeigneter Maßnahmen in
humanere Bahnen zu lenken.
Es ist offenkundig, dass die österreichische
Bevölkerung mit der Politik generell
unzufrieden ist. Mehr als die Hälfte der
Bürger hat den Weg zur Wahlurne nicht
angetreten und viele, die zur Wahl
gegangen sind, haben als Protestwähler
das politische Gefüge verändert.
Sicherlich waren auch viele Tierfreunde
darunter und es ist daher kein Wunder,
dass sich junge idealistische Menschen
zusammengefunden haben, um mittels
der TIERRECHTSPARTEI (siehe Seite
2) den Tieren eine Stimme zu geben.
Dies wäre vielleicht für viele Tierfreunde
eine Möglichkeit, doch wieder an einer
Wahl teilzunehmen.
Eine Alternative? Ich weiß es nicht ? aber
einen Versuch wäre es wert.
Getreu unserem Motto:
.
"Sehet, ich lebe, ich lebe!"
Ihre
Lucie Loubé
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